MDK vertieft den Qualitätsdialog mit Kliniken zu Behandlungsfehlern

12. Mai 2016
Berlin

 

Aus Behandlungsfehlern lernen und damit künftige Fehler vermeiden – dieses Ziel verfolgen erste Berliner und Brandenburger Kliniken gemeinsam mit dem MDK. Basis der Zusammenarbeit sind die Behandlungsfehlergutachten des MDK.

"Der MDK Berlin-Brandenburg bietet Kliniken, niedergelassenen Ärzten und professionell Pflegenden an, seine tausendfachen Erfahrungen aus der Begutachtung vermuteter Behandlungsfehler zur Fehlerprävention zu nutzen. Immer mehr Kliniken nehmen unser Angebot zum Dialog und zum fachlichen Austausch an. Jeder Behandlungsfehler, der damit verhindert werden kann, ist ein großer Gewinn." Dies äußerte heute Dr. med. Axel Meeßen, Geschäftsführer und Leitender Arzt des MDK Berlin-Brandenburg, im Rahmen eines Pressegespräches.

Meeßen weiter: "Seit 2014 werten wir alle bestätigten Behandlungsfehler systematisch auf gehäuft auftretende Fehler oder fehleranfällige Prozessabläufe aus. Die Analyse zeigt, dass es weiterhin besonders in den Prozessabläufen und in der Kommunikation zwischen den jeweils beteiligten Ärzten Möglichkeiten gibt, relativ schnell Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zu erzielen."

Dr. med. Birgit Didczuneit-Sandhop, Chefärztin HNO, Gesichts- und Halschirurgie des Städtischen Klinikums Brandenburg sowie Priv.-Doz. Dr. med. Reinhold Laun, Ärztlicher Direktor des Vivantes-Klinikums Neukölln und Chefarzt der dortigen Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie bestätigen übereinstimmend den Nutzen der Zusammenarbeit mit dem MDK.

"Wir erleben den MDK als fachlich kompetenten Partner, dessen Erfahrungen wir in unser Qualitätsmangement einspeisen können“, so Laun. "Dies gilt sowohl für die Betrachtung von Einzelfällen, als auch für die Überprüfung unserer Strukturen und Prozesse zur Fehlervermeidung." Didczuneit-Sandhop fasst zusammen: "Der MDK – Freund statt Feind. Hier wird beispielhaft über institutionelle Grenzen hinweg offen und professionell Wissen geteilt, zum Nutzen für Patientinnen und Patienten."

"Der Dialog mit der Ärzteschaft ist keine Einbahnstraße", betont Meeßen: "Zur wirklichen Qualitätspartnerschaft wird die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und MDK erst durch das gegenseitige Lernen. Als MDK freuen wir uns, wenn wir zur Qualität unserer Gutachten Rückmeldungen und Verbesserungshinweise erhalten, die wiederum in unser Qualitätsmanagement einfließen."

Der MDK Berlin-Brandenburg führte im Jahr 2015 knapp 1.700 Begutachtungen zu ärztlichen, zahnärztlichen und pflegerischen Behandlungsfehlervorwürfen durch. In über einem Drittel der Fälle wurde der Verdacht bestätigt.

Bei den 1.682 im Jahr 2015 erstellten Gutachten (in 2014: 1.759) wurde in 614 Fällen (= 36,5%; in 2014: 37,9 %) eine fehlerhafte Behandlung aufgezeigt. In 29,9% (2014: 30,8%) der Fälle konnten die Fachgutachter auch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der bemängelten Behandlung und einem eingetretenen Körperschaden bestätigen.

Die meisten Vorwürfe treten, wie in den Vorjahren, in den operativen Fachgebieten auf, hier insbesondere in Orthopädie und Unfallchirurgie. Meeßen: "Fehler bei Operationen fallen naturgemäß schneller auf. Systematische Verbesserungsmöglichkeiten sehen wir allerdings weniger in den im Einzelfall auftretenden manuellen Missgeschicken. Vor allem das Komplikations- und Organisationsmanagement in der Versorgung bieten effektive Ansatzpunkte zur Verbesserung."

Meeßen betont abschließend: "Der MDK Berlin-Brandenburg lädt Ärzteschaft und Pflegende auch weiter herzlich zum Qualitätsdialog ein. Denn uns eint der Wille, die Versorgung der Patienten und Gepflegten in hoher Qualität sicherzustellen."

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