Arbeitsunfähigkeit

Begutachtung bei Arbeitsunfähigkeit

Wenn's komplizierter ist…

Etwa 40 Millionen Mal im Jahr wird der "gelbe Schein" – die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit – in Deutschland ausgestellt. In etwa drei von hundert Fällen beauftragt die gesetzliche Krankenkasse den MDK, zur Arbeitsunfähigkeit sozialmedizinisch Stellung zu nehmen mit dem Ziel, die Arbeitsfähigkeit ihrer Versicherten zu erhalten oder wiederherzustellen.

 

Was bedeutet "arbeitsunfähig"?
Arbeitsunfähigkeit entsteht in der Regel als Folge von Krankheit. Ist Ihre Gesundheit beeinträchtigt, gehen Sie zum Arzt oder zur Ärztin. Dort bekommen Sie Möglichkeiten aufgezeigt, wie Ihre Gesundheit wiederhergestellt werden könnte. Zudem schätzt die Ärztin oder der Arzt ein,
  • ob die Erkrankung verhindert, dass Sie Ihre berufliche Tätigkeit ausüben können oder 
  • ob die Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit Ihre Erkrankung verschlimmern könnte. 
Ist davon eines oder beides der Fall, wird Ihnen Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist ein wichtiges Dokument:
  • für das Unternehmen, für das Sie arbeiten und das Ihren Lohn für bis zu sechs Wochen weiter zahlt, 
  • für Ihre Krankenkasse, die Ihnen Krankengeld zahlt, sollten Sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sein,
  • für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, der beziehungsweise die diese Einschätzung medizinisch verantwortet.
Warum begutachtet der MDK bei Arbeitsunfähigkeit?
Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, in bestimmten Fällen die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten prüfen zu lassen. 
 
Dies betrifft zum einen medizinische Unklarheiten, wenn zum Beispiel sichergestellt werden soll, dass alle in Frage kommenden Behandlungsoptionen, aber auch Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen, ausgeschöpft werden.
 
Zum anderen wird eine Prüfung veranlasst, wenn seitens des Arbeitgebers oder der Krankenkasse Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit bestehen.
 
In beiden Fällen wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung mit einer sozialmedizinischen Stellungnahme beauftragt. 
Wie begutachtet der MDK?

Ergeben sich Fragen zu Ihrer Arbeitsunfähigkeit, nimmt Ihre Krankenkasse Kontakt zu Ihnen auf, um sich näher über Ihre aktuelle Situation zu informieren. Die Krankenkasse berät sich auch mit Ärztinnen und Ärzten des MDK mit Blick auf eine mögliche Wiederherstellung Ihrer Arbeitsfähigkeit. So kann der MDK zum Beispiel Hinweise zur Sicherung des Behandlungserfolges geben, eine zusätzliche fachärztliche Untersuchung oder rehabilitative Maßnahmen empfehlen. 

 
Die Krankenkasse kann auch weitere Unterlagen Ihres behandelnden Arztes oder Ihrer behandelnden Ärztin anfordern. Die Behandelnden schicken Befunde und Ähnliches direkt an den MDK. Sollten auch dann noch Fragen offen bleiben, werden Sie zu einer persönlichen Begutachtung in eine MDK-Beratungsstelle eingeladen.
 
Die Ärztinnen und Ärzte des MDK begutachten nicht nach therapeutischen, sondern viel mehr nach sozialmedizinischen Aspekten. Das heißt, sie greifen nicht in den Behandlungsverlauf ein, sondern schätzen ab, inwiefern die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt werden kann, welche Rolle Ihr Arbeitsplatz für Ihre Symptomatik spielt und ob beispielsweise Rehabilitation oder eine stufenweise Wiedereingliederung in Frage kommen.
Das Begutachtungsergebnis
Die Gutachterin oder der Gutachter des MDK formuliert eine Stellungnahme zu Ihrer Arbeitsunfähigkeit als Empfehlung für die Krankenkasse. Die Krankenkasse entscheidet anschließend, wie sie weiter verfährt.
Welche Informationen erhält mein Arbeitgeber?
Hat Ihr Arbeitgeber durch eine Anfrage bei der Krankenkasse eine Begutachtung veranlasst, teilt ihm die Krankenkasse lediglich mit, ob Arbeitsunfähigkeit vorliegt oder nicht. Alle Informationen darüber hinaus, zum Beispiel zu Ihrem Krankheitsbild oder zu therapeutischen Maßnahmen, sind durch die ärztliche Schweigepflicht geschützt. 
Was ist stufenweise Wiedereingliederung?
Für eine stufenweise Wiedereingliederung vereinbaren Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz. Das heißt, Sie verabreden bestimmte (verkürzte) Arbeitszeiten und stocken diese allmählich auf. Auch die Rahmenbedingungen an Ihrem Arbeitsplatz werden gegebenenfalls in diesen Plan einbezogen. Während dieser Eingliederungsphase zahlt Ihnen die Krankenkasse weiterhin Krankengeld.